Frieders Beitrag

Berlin ist Ghetto - nur nicht in Tempelhof

Hinter Bushido steckt ein deutscher Biedermann

Bushido, dessen Name "Wege des Kriegers" bedeutet, entspricht dem typischen Klischee eines Rappers aus dunklen Straßen. Seine Songs handeln von Gewalt und Drogen. Heute stellt er in der Columbiahalle sein aktuelles Album "Staatsfeind Nr.1" vor. Mit dem Berliner Rapper sprach Friedrich Rößler.



Berliner Morgenpost: Wie erklärst du dir die derzeitige Nachfrage nach deutschem Gangster-Rap?

Bushido: Die einfachste Erklärung ist, daß es so was vorher nicht gab. Das Label Aggro Berlin startete das und nun führen ich und andere das weiter.

Berliner Morgenpost: Wie gehst du mit der Indizierung deiner Musik um?

Bushido:
Mit Indizierung muß man leben und sich fügen. Wenn man auf dem Hochseil balanciert, ist es doch klar, daß man irgendwann ausrutscht. Provokation macht Spaß.

Berliner Morgenpost: Wegen einer Schlägerei in Linz mußtest du zwei Wochen in Untersuchungshaft. Gehört Knasterfahrung zum Rapper dazu?

Bushido: Für kein Geld der Welt will ich da noch mal rein. Ich hab meine Freiheit verloren und wurde mit drei anderen in eine Zelle gepfercht. Immerhin: Mein Handy klingelte mal zwei Wochen nicht. Als ich wieder draußen war, fragte ich einen Freund, ob meine Mutter das wüßte. Der sagte, ganz Deutschland wisse Bescheid, und ich sei jeden Tag in den Schlagzeilen. Alle wissen auf einmal, was ich sage und tue.

Berliner Morgenpost: Du bezeichnest dich trotz deines tunesischen Blutes als Deutscher. Wie stehst du zu nationalen Tendenzen im deutschen Rap?

Bushido: Es gibt keine Anzeichen für Nazi-Rap. Die Türken sagen manchmal Scheiß-Deutsche und die Deutschen eben Scheiß-Türken. Das ist normal. Nur weil Skinheads meine Musik hören, muß ich nicht plötzlich rechtsradikal sein. Fremdenhaß nimmt generell unter Deutschen zu. Dazu braucht es keine Bomberjacke und keine Glatze. Ich bin weder Nazi noch Antisemit. Das ist doch alles doof.

Berliner Morgenpost: So doof wie Frauen schlagen?

Bushido: Ich will keine Frauen mehr schlagen. Damals hat so ein billiges Mädchen meine Mutter beleidigt, da sah ich rot und schlug zu. Die Mutter zu beleidigen ist das Nonplusultra an Provokation. Alle Immigrantenkinder würden das sagen.

Berliner Morgenpost: Dein Album erzählt davon, daß die Probleme der Jugend keiner versteht. Warum verstehst du sie?

Bushido: Weil ich dieselben Probleme hatte und teilweise noch habe. Die sind eben anders als die unserer Väter. Die Politiker behandeln uns, als wären wir nicht da. Sie sprechen über die Probleme der Jugendlichen, ohne ihnen zuzuhören.

Berliner Morgenpost: Für Rap braucht es die harte Straße. Gibt es die in Tempelhof?

Bushido: In Tempelhof nicht. Ich bin froh, in einer ruhigen, sauberen Gegend zu wohnen, wo es keine Schießereien gibt und meine Mutter in Frieden leben kann. Ich genieße die Privatsphäre dort und die saubere Luft. Aber Berlin ist Ghetto. Hier bekommst du am schnellsten was auf die Schnauze, wird dir Geld geklaut oder deine Mutter beleidigt.

Berliner Morgenpost: Wonach sehnt sich ein Rapper, außer nach Sex, Drogen und Geld?

Bushido: Ich habe genug mit Drogen erlebt und genug Sex gehabt. Ab 27 willst du einfach eine Frau, die die Mutter deiner Kinder sein soll.

Aus der Berliner Morgenpost vom 27. Januar 2006

To Posterous, Love Metalab