Frieders Beitrag

Die Netzhemden

Online-Portale helfen Designern, sich und ihre Entwürfe bekannt zu machen

Ein T-Shirt, auf dem als Motiv die Entstehungsgeschichte eines T-Shirts prangt: Der Kragen wird gerade angenäht, die Ärmel fehlen noch, ganz vorne ein Stoffmuster samt Schere. Der Entwurf im Internetportal heißt "T-Shirt-Genesis", eingereicht haben ihn Designer namens Peachbeach.


Laut Legende haben 73 Personen dafür abgestimmt, acht haben das Stück bestellt. "Holla! Spitzen Idee gepaart mit sauberer Umsetzung! Steh ich drauf, will ich haben", kommentiert ein Nutzer namens Fogeljunge.

Nutzer wählen das Schönste

Gewonnen hat diese Abstimmung auf dem T-Shirt-Portal La Fraise letztlich ein anderer, aber gevotet wird bei Anbietern wie Spreadshirt oder La Fraise ununterbrochen. "Leben kann man davon nicht, aber ein Urlaub ist schon drin", sagt Designer Lars Wunderlich, der zusammen mit Attila Szamosi und Falk Hoger das Berliner Label Peachbeach betreibt. Als reine "Competition-Plattform", so Art Director Mike Friedrich, sei La Fraise besonders für aufstrebende Designer interessant.

Abgesehen vom gesteigerten Bekanntheitsgrad des Fashion-Nachwuchses: Marketing, Produktion und Logistik sind für viele Kreative ein rotes Tuch. Für sie sind das eher uncoole Begleiterscheinungen. Und sie sind froh, wenn das andere für sie tun. Wie etwa der Branchen-Dinosaurier Spreadshirt, wo sich der einzelne Shop-Anbieter nicht selber um die Produktion und den Vertrieb seiner Ware kümmern muss.

Auch der Frankfurter Shop Milieux stellt die Infrastruktur, man versteht sich jedoch in erster Linie als "Online-Boutique für Shirts und andere Kleidungsstücke von unterschiedlichen Designern", so die Selbstbeschreibung.

Aber vor allem das Voting-Konzept hinter den T-Shirt-Designs boomt. So sehr, dass das einstige Start-Up-Unternehmen Spreadshirt die Plattform La Fraise mit ihren 80.000 registrierten Usern 2006 gekauft hat. Zwar bringen viele die Leipziger Internet-Firma mit "Web 2.0" in Verbindung, als Spreadshirt 2002 gegründet wurde, gab es den Begriff jedoch noch gar nicht. "Wir haben auf unserer Plattform einige Funktionalitäte, die 2.0 sind. Aber wir sind kein reines Internetunternehmen", erläutert Sprecher Tobias Huber.

Schließlich lande das bedruckte T-Shirt am Ende im realen Briefkasten, nicht im E-Mail-Postfach. Das Unternehmenskonzep: "Wir richten uns einmal an den Endkunden, der aus Vorlagen, eigenen Fotos oder Designs individuelle T-Shirts kreieren kann. Der andere Teil ist unser Shopgeschäft, wo wir unseren Partnern eigene Webshops für ihre Shirts und Accessoires zur Verfügung stellen."

Der Designer verdient über individuelle Provisionen, Spreadshirt selbst anteilig an jedem verkauften Stück. Nach eigenen Angaben liegt der Umsatz mittlerweile bereits im "zweistelligen Millionenbereich".

"Eine kleine Revolution", sei es, die User über die Abstimmungen in den Modemarkt einzubinden, findet Philipp Schilling von A Better Tomorrow. Ähnlich wie La Fraise versteht sich die Düsseldorfer Designplattform als usergeneriertes Modelabel, "weil bei unseren Wettbewerben die Gewinner gedruckt werden, egal ob der Markt dafür da ist oder nicht."

Die Conests laufen vier Wochen lang, die User stimmen ab. Gewinnt ein Motiv, gibt es 500 Euro für den Einsender und ein Interview in kooperierenden Designmagazinen. "Die meisten Teilnehmer nutzen unsere Plattform aber nicht nur, um Geld zu verdienen, sondern um ihren Wirkungsgrad zu erhöhen, eine gute Referenz zu haben und ihre Designs ins Gespräch zu bringen", sagt Schilling. Neben den Contests gibt es hier auch Kollektionen verschiedener Streetwarelabels.

Usergenerierte Plattformen, Design-Wettbewerbeund Webshops erfordern heute ein hohes Einstiegskapital. Daniel Hendrich von beeindruckt.com aus Hanau betreibt daher nur einen ganz normalen Online-Shop: "Der Aufwand und die Kosten für meinen einfachen Online-Shop sind schon so hoch, dass ich es mir einfach nicht leisten kann, so eine Web 2.0-Plattform aufzubauen."

Der Zug für diese Konzepte scheint trotz Erfolgen schon abgefahren. Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Daniel Hendrich will im kommenden Jahr erst mal einen echten Laden eröffnen.

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