Dank der digitalen Revolution entstehen in der Filmbranche neue Berufszweige
Wer träumt nicht davon: „And the Oscar goes to ...“. Um in die Fußstapfen von Florian Henckel von Donnersmarck zu treten, muss man nicht unbedingt Regisseur werden. Der Oscar wird schließlich in verschiedenen Kategorien verliehen, so zum Beispiel für den besten animierten Kurzfilm, für den besten Schnitt oder die besten visuellen Effekte.
„Die digitale Revolution in der Filmbranche kann man mit dem Übergang vom Schwarzweiß- zum Farbfilm oder vom Stumm- zum Tonfilm vergleichen“, sagt Klaus Keil, Direktor des Potsdamer Erich Pommer Instituts EPI. Es bietet spezielle Angebote, die über jene der Filmhochschulen hinausgehen. Der Fokus liegt auf neuen Berufsbildern wie dem des Post Production Supervisor PPS, der den klassischen Produktionsleiter in der Postproduktion ablöst, dem Colour Grader oder dem Digital Image Technician. Mit der Entertainment Master Class bildet das EPI auch im Bereich Unterhaltungsfernsehen aus.
Branche im Umbruch
Thomas Burnhauser, Schwerpunktleiter Film und Video an der Hochschule Darmstadt, benennt eine zweite Tendenz. Die „digitale Revolution“ in der Filmbranche habe auch Berufe ver- schwinden lassen: „Wo früher drei Personen nötig waren, reicht heute eine am PC. Der Tonmischer, Bildschneider und Nachvertoner ist heute mitunter bereits ein und dieselbe Person“, sagt Burnhauser.
Dennoch bescheinigt er der Filmbranche gute Perspektiven: „Der Medienkonsum ist exorbitant. Unsere Freizeitgesellschaft benötigt Entertainment.“ Die Maxime für den Einstieg lautet: Learning by Doing. „Wer mit der Kaffeetasse in der Hand draußen in der Kälte stundenlang Straßen absperren muss, bekommt einen besseren Einblick in die Branche, als wenn er zu Hause vor dem DVD-Player vom Medienstudium träumt“, so Burnhauser. Dabei ist es egal, ob man quer, über eine Ausbildung oder ein Studium einsteigt. Filmische Unterhaltung findet nicht nur im Kino, sondern auch im TV statt. Die Zahl von Spiel-, Dokumentar- und Literaturfilmen fürs TV steigt. Die Möglichkeiten des Fernsehens haben sich dank Web-TV, Handy-TV und IP-TV deutlich erweitert.
Eine weitere Folge der Digitalisierung der Film-Branche ist das Zusammenwachsen mit dem Game-Bereich. „Schon heute erinnern viele Spiele an animierte Kino-Filme“, sagt Marius Schwarz, Finanzvorstand der Studio Babelsberg AG. Die Babelsberg Film School arbeitet deshalb eng mit dem Studiengang Gamedesign der Mediadesign Hochschule zusammen. „Damit nehmen wir im Studium das vorweg, was die Absolventen eines Tages in der Praxis erwartet“, so Hartmut Bode, Geschäftsführer der Babelsberg Film School, der zugleich Rektor der Mediadesign Hochschule ist.
Auch Schwarz ist davon überzeugt, dass die Zukunft des Films digital ist. „An Filmen wie Speed Racer arbeiten weltweit rund 500 VFX-Experten – die meisten davon in Babelsberg. Das ist nur ein Beispiel, das zeigt, dass digitale Herstellungsmethoden mehr und mehr im Zentrum der Filmproduktion stehen werden“. In den kommenden Semestern sollen weitere Studiengänge für den digitalen Bereich angeboten werden.